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Wwoofing als Digitaler Nomade: Vor – und Nachteile

By on 31. Januar 2017

Wer nach dem Abi oder dem Studium ein bisschen Zeit und Geld übrig hat, geht gerne mal ein bisschen reisen. Für den ein oder anderen kommt dann auch Wwoofing – Das Arbeiten für Kost und Logis, also Essen und Unterkunft in Frage. Sei es, um dadurch Geld zu sparen oder Menschen und Kultur eines anderen Landes kennen zu lernen. Aber nicht nur als Reisender bietet Wwoofing einige Vorteile. Auch als Digitaler Nomade, also als Mensch, der ortsunabhängig einer bestimmten Arbeit nachgeht, bietet sich die Arbeit gegen einen Schlafplatz gut an.

Meine letztes Wwoofing als Digitaler Nomade hab ich in Kalifornien gemacht. Auf Basis dieser Erfahrungen möchte ich dir in diesem Artikel die Vor- und Nachteile dieses Models näher bringen. Für jemanden, der neben der Wwoofing-Tätigkeit einfach nur reisen möchte, spielen die Nachteile eher keine große Rolle.

 

Wwoofing als Digitaler Nomade – Die Vorteile

Du hast die Chance, viele interessante Menschen kennen zu lernen

Ich schreibe hier von einer Chance weil ich finde, dass es immer eine bewusste Entscheidung ist, wie weit und wann man sich für andere Menschen öffnen möchte. Ich bin tendenziell eher ein introvertierter Mensch der oft seine Zeit für sich braucht um aufzutanken. Genauso ziehe ich aber auch Kraft aus gemeinsamen Unternehmungen mit anderen.

Mich haben bisher immer wieder Menschen geprägt, die ich an verschiedenen Orten kennengelernt habe. Und für die Chance, coole Menschen begegnen zu dürfen, bin ich sehr dankbar. Da bietet sich Wwoofing als Möglichkeit, länger an einem Ort zu bleiben und somit tiefere Bekanntschaften zu machen sehr gut an.

Abwechslungsreiche Arbeit zu haben ist erfrischend

Auf Workaway und helpx findest du verschiedene Stellen mit unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Ein größerer Teil der Jobs ist aber auf jeden Fall mit körperlicher Arbeit verbunden. Sei es im Garten (wie bei meiner Gastfamilie in Arroyo Grande) oder unter einem Dach (Wie in dem Hostel in San Diego, in dem ich mich gerade befinde).

Ich empfinde den Mix aus meinen Jobs am Laptop und der Arbeit mit dem Hammer oder dem Besen als perfekten Ausgleich. Es fällt mir schwer, 40 Stunden oder mehr in der Woche konsequent am Schreibtisch zu sitzen und mein Hirn wird durch körperliche Arbeit jedes Mal wieder durchgelüftet und ich kann danach meistens problemlos wieder Stunden mit Schreiben und Planen am Rechner verbringen.

Durch Wwoofing kannst du viel Geld sparen

Der Sinn hinter Wwoofing, also dem Arbeiten als Volunteer in anderen Länder ist der Tausch von deinen helfenden Händen gegen kostenlose Unterkunft und Verpflegung. Beides kann zum Beispiel hier in Kalifornien ziemlich teuer werden.

Seit dem Beginn meines Trips habe ich 7 Wochen als Volunteer und damit in einer kostenlosen Unterkunft verbracht. Bei meiner Gastfamilie hatte ich quasi keine Ausgaben für Verpflegung. Hier im Hostel gebe ich ab und zu Geld für Essen aus. Rechnest du einen durchschnittlichen Preis von 90€ für Unterkunft und Verpflegung pro Tag hätte ich in diesen 7 Wochen also mehr als 4.400€ ausgegeben. Und das wirklich nur für ein Bett und Essen. Schon ein gewaltiger Unterschied, oder?

Eine gute Möglichkeit für dein „Home far away from home“

Gerade wer noch nicht so häufig verreist ist, fühlt sich am Anfang in der ein oder anderen Situation manchmal noch etwas unsicher. Das gilt natürlich auch dann, wenn man für eine längere Zeit bei (vorerst) fremden Menschen wohnt und sich in einer fremden Umgebung einleben muss. Doch das sind Bedenken, die wohl zu uns Menschen einfach dazu gehören. Die meisten von uns machen sich eben Gedanken, wenn sie etwas zum ersten Mal tun.

Aber wie so oft, erübrigen sich auch hier alle Bedenken, sobald man eben gesprungen ist: Jeder meiner Aufenthalte als freiwilliger Helfer war bisher ein kleines Stück zweite Heimat, weit weg von meiner eigentlichen Heimat. Jeder Aufenthalt! Egal ob bei Dhruba und Mena in Nepal, bei Danny in Neuseeland oder bei den Hiltons in Kalifornien. Die Amis sagen dazu: „I had a blast!“ Und das wirst du bei den meisten Bewertungen von vorherigen Helfern auf helpx oder workaway in den Bewertungen der Gastgeber auch genauso lesen. Klar wirst du auf andere Sitten, verschiedene Tagesabläufe und für dich neue Gewohnheiten treffen. Aber genauso schnell wirst du dich auch dort einleben und das „Andere“ schätzen lernen. Es ist eben schön, wenn man mehrere Zuhause hat. Und es tut gut, wenn nicht alle gleich sind.

Freiwilligenarbeit bringt dich näher an Menschen und Kultur heran

Wie schon im ersten Punkt beschrieben, ist Wwoofing eine hervorragende Möglichkeit, Menschen an anderen Orten kennenzulernen. Während du dich in deinem vorübergehenden Zuhause einlebst werden diese Menschen ihre Kultur mit dir teilen. Du wirst feststellen, dass manches genauso abläuft wie bei dir Zuhause und manches eben ganz verschieden ist. Wer sich fremde Kultur erschließen will, muss sich dafür Zeit nehmen. Und da viele Wwoofing-Gastgeber ihre freiwilligen Helfer gerne für mehrere Wochen bei sich haben, wirst du die Zeit und die Möglichkeiten haben in ein anderes Land, seine Menschen und seine Gewohnheiten eintauchen. Ich bekomme jetzt schon wieder Fernweh, wenn ich diese Zeilen schreibe.

Wwoofing in Kalifornien

Mein Tiny House bei den Hiltons in Kalifornien war der perfekte Ort für mich. Hier konnte ich jeden Tag ein paar Stunden ungestört am Laptop arbeiten.

Freiwilligenarbeit gegen Unterkunft – Die Nachteile

Ein Job ist ein Job an den du gebunden bist

Ein Punkt, den du eben berücksichtigen solltest, wenn du – so wie ich – das Reisen mit deinem Job verbindest und ortsunabhängig arbeitest. In erster Linie ist die Arbeit für Kost und Logis dafür bestens geeignet. Allerdings gehst du damit natürlich auch einige Verpflichtungen gegenüber deinen Wwoofing-Gastgebern ein. Meine bisherige Arbeit als freiwilliger Helfer lies sich meistens recht flexibel gestalten. Dennoch wirst du dich an gewissen Tagesabläufen anpassen müssen und kannst nicht jeden Tag arbeiten wann es dir passt.

Je nachdem, welcher ortsunabhängigen Arbeit du nachgehst oder wie voll dein Termin-Kalender ist, wirst du deshalb Kompromisse eingehen müssen. Das kann dann eben ein Skype-Termin mit einem Partner sein, den du verschieben musst oder du musst die Deadlines für deine Kunden großzügiger planen. Das hat bei meiner Gastfamilie in Kalifornien sehr gut geklappt. Da habe ich vormittags meine Arbeit erledigt und mich Nachmittag dem Garten gewidmet. Weniger flexibel war ich allerdings ein paar Wochen später im Hostel in San Diego. Der wöchentliche Dienstplan wurde für etwa 10 Leute gemacht, sodass es gar nicht möglich war, auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Freiwilligen einzugehen.

Absolut verständlich, aber dadurch musste ich meine Freelance-Tätigkeiten dem Schichtplan anpassen. Und das bedeutete dann zum Beispiel auch, gegen 16 Uhr noch für 5 Stunden an den Laptop. Darunter hat meine Produktivität dann gelitten.

Nicht jede Umgebung eignet sich gut zum ortsunabhängigen Arbeiten

Auch wenn du sehr flexibel deinen Job als freiwilliger Helfer mit deinem Business oder deiner Selbstständigkeit verbinden kannst – du brauchst irgendwo for Ort einen Platz, an dem du dieser Tätigkeit nachgehen kannst. Eine Wwoofing-Stelle mit schwachem Internet kann zum Problem werden. Als Helfer in einem Party-Hostel zu arbeiten bedeutet dann wohl viel Party. Auch nicht der beste Ort, um konzentriert arbeiten zu können.

Hier musst du für dich entscheiden, was am besten zu dir und deinen Ansprüchen an ein Arbeitsumfeld passt. In Nepal hatte ich sehr unregelmässiges Internet, was mich am Ende dazu gebracht hat sehr viel zu lesen und meine Pläne für die nächsten Monate zu strukturieren. Im Nachhinein bin ich dafür sehr dankbar. Hätte ich in diesem Monat aber mehrere Kunden mit eng getimten Aufträgen gehabt, wäre das ein großes Problem geworden.

 

Wwoofing als Digitaler Nomade

Im Hostel wurden nicht nur die Betten gemacht und das Frühstück hergerichtet sondern auch Toiletten geputzt. Fazit: Nicht der optimalste Wwoofing-Platz als Digitaler Nomade.

Arbeiten gegen Kost und Logis als Digitaler Nomade – Das Fazit

Meine bisherigen Erfahrungen mit Wwoofing als Digitaler Nomade lassen die Vorteile den Nachteilen klar überwiegen. Wichtig ist, dass du weißt, wie du arbeiten möchtest und wie du dein ortsunabhängiges Business mit der Arbeit als freiwilliger Helfer unter einen Hut bringen kannst. Klar, vor allem als Freelancer weißt du oft nicht, welche Kundenjobs du im nächsten Monat bearbeiten wirst.

Dennoch lässt sich meistens gut im Voraus planen, wie viel Zeit deine Arbeit in etwa in Anspruch nehmen wird. Und ganz wichtig: Sei ehrlich zu deinen potentiellen Gastgebern und spreche mit ihnen darüber, dass du ortsunabhängig dein Geld verdienst und neben dem Wwoofen einige Wochenstunden für deine Arbeit benötigst. Das war bisher bei mir nie ein Problem.

Wwoofing als Digitaler Nomade

Mein Rückzugsort in San Diego während meiner Zeit als freiwilliger Helfer im Hostel: Das Subterranean Cafe mit schnellem Internet und leckeren Bagels.

Die schnelle Checkliste für dich:

  • Überlege dir, warum du Wwoofen möchtest.
    Willst du in das Leben deiner Gastfamilie mit eintauchen und eine neue Kultur kennenlernen? Oder möchtest du in erster Linie Geld sparen. Dann ist die Arbeit auf einer Farm mit mehren Leuten wahrscheinlich die bessere Wahl anstatt als einziger Helfer vor Ort zu sein.
  • Schätze ein, wie groß dein Arbeitspensum während deiner Zeit als freiwilliger Helfer sein wird.
  • Spreche unbedingt mit deinen zukünftigen Gastgebern und vermeide Missverständnisse.
    Wie viele Stunden Arbeit werden von dir pro Woche erwartet? Wird viel Wert auf gemeinsame Unternehmungen gelegt? Hast du die Möglichkeit direkt vor Ort zu arbeiten oder solltest du dir eher ein Cafè in der Nähe suchen.
  • Genieße deine Zeit! Wwoofing ist eine tolle Erfindung!

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Oliver Haas
Hamburg

Hi! Ich bin Olli und freu mich sehr, dich auf Wolfsmilch begrüßen zu dürfen! Seit 2015 arbeite ich im Sommer für eine Festivalreihe in Hamburg und im Winter zieht es mich in wärmere Gefielde. Nebenbei begann ich als Freelancer im Webbereich und taste mich nun langsam heran an das Leben, das ich führen möchte. Das Leben als Digitaler Nomade. Also unabhängig mein Geld mit Dingen verdienen, die mir Spaß bringen. Und das nahezu von jedem Ort der Welt aus. Meine Erfahrungen möchte ich hier mit dir teilen. Im "Rucksack" wirst du Artikel und Stories rund ums Reisen und alles was dazu gehört finden. "Laptop" versorgt dich mit Wissen und Anregungen über das Arbeiten als Digitaler Nomade und Freelancer. Und "Rekorder" stellt dir interessante Menschen vor, die etwas gemeinsam haben: Sie alle haben ihr Ding durchgezogen. Tust du das auch?

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