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Meine Familie versteht mich nicht

By on 30. November 2016

„Liebe Eltern, liebe Oma, lieber Opa, ich mache jetzt erstmal nichts, was mit meinem Studium zu tun hat.“ Die Aussage würde so wohl kaum aus deinem Mund kommen. Viel häufiger kommt aber genau das aus der anderen Richtung: „War dein Studium jetzt für umsonst?“ oder „Wann fängst du denn an Geld zu verdienen?“

Wir haben den Luxus, uns jederzeit neu orientieren zu dürfen

Du hast dein Architektur-Studium abgeschlossen, möchtest dich jetzt aber viel lieber mit digitalen Medien oder etwas Künstlerischem auseinandersetzen. Deine Familie versteht dich natürlich erstmal nicht, oder nur sehr schwer.  Wenn doch, dann brauchst du hier nicht weiterzulesen. Geht stattdessen lieber zusammen einen heben.

Dass deine Eltern dir erstmal nicht viel Verständnis für so eine Entscheidung entgegenbringen, ist klar. Sie haben in erster Linie Angst. Sie haben Angst, dass du deine teure Ausbildung nicht in eine sichere Zukunft investierst. Dass äußere Einflüsse dich vielleicht irgendwie von „deinem Weg“ abgebracht haben. „Hey, Moment Mal! Über meinen Weg entscheide ich!“ rufst du natürlich jetzt zu recht.

Warum sind unsere Generationen so unterschiedlich?

Nimm es deinen Eltern aber nicht übel. Es gehört dazu, dass sie sich sorgen. Das ist für Eltern ganz natürlich und hat meist auch einen guten Grund: Sie sind einfach in einer ganz anderen Generation aufgewachsen. Mit anderen Werten und Zielen als wir 80er und 90er-Jahrgänge. Auch ihre Eltern, deine Großeltern waren höchstwahrscheinlich sehr daran interessiert, dass Mama und Papa eine gute Ausbildung haben und danach einen passenden Beruf ausüben.

Warum? Weil die Generation deiner Großeltern noch viel mehr auf diesen klassischen Lebensstil fixiert war. Nach dem 2.Weltkrieg herrschte in Europa eine enorme „Anpack-Stimmung“, und es galt, dass nur wer viel arbeitet auch etwas werden kann. Ein Großteil der Menschen damals hatte nicht die Mittel an die Uni zu gehen. Für diese Leute war echte Arbeit dann eben etwas „ehrliches“, etwas „greifbares“, oft ausgeübt ein einem handwerklichem Beruf.

Studierte Menschen hingegen haben damals Firmen geleitet, waren Ärzte oder Lehrer und genossen durch diese Positionen einen ganz anderen Status als zum Beispiel ein Arzt heute. Aber ob studiert oder nicht: Es galt etwas aus sich zu machen. Und der Weg „Ausbildung -> direkt in den Beruf -> Familie und Kinder“ galt eben damals als der einzig richtige. Und deine Großeltern haben deinen Eltern das wahrscheinlich genau so weitergegeben.

Berufsorientierung = Lernen, dir selbst zu vertrauen

Heute hast du viel mehr Möglichkeiten an denen du dich orientieren kannst. Für viele junge Menschen ist das aber auch eher eine Qual. Sie können oder wollen sich einfach nicht entscheiden und haben gleichzeitig den Druck aus der Familie. Die Medien nennen uns dann die Generation Y. Die, die sich nicht mehr entscheiden wollen. Und bei uns macht sich einfach eine innere Leere breit.

Und genau da liegt es jetzt an dir. Es ist kein Problem, wenn du eine Ausbildung oder dein Studium nach dem 3. Semester abbrichst. Du solltest nur wissen warum du diesen Schritt gehst und was du stattdessen angreifen möchtest. Ich meine damit nicht konkret, dass du weißt, welchen Studiengang oder welche Ausbildung du jetzt anstrebst. Ich meine wirklich: Du musst wissen, was du machen möchtest. Mach das nicht so sehr an einem Berufsbild fest. Du musst lernen, dir selbst zu vertrauen und auf dich zu hören. Nimm dir dafür Zeit.

Was will ich werden?

Überlege dir lieber, wo deine Stärken liegen. Was kannst du gut? In welchen Bereichen hast du Lust, mehr zu lernen und mehr zu erfahren? Du kannst ruhig zu mal zu einem Berufsberater gehen und gucke dich unbedingt im Internet nach verschiedenen Berufen oder Fortbildungsmöglichkeiten um. Gibt es Menschen, die dich sehr inspirieren? Dann google mal deren Werdegang.

Schaffe doch eine Struktur für deine Orientierungsphase auf Basis folgender Punkte:

  1. Worauf habe ich Lust?
  2. In welchen Bereichen möchte ich mehr erfahren und lernen?
  3. Kann ich eines meiner Hobbies vielleicht sogar zu meinem Beruf machen?
  4. Möchte ich (erstmal) fest angestellt sein oder etwas Eigenes starten?
  5. Worauf habe ich absolut keine Lust?
  6. Wieviel Geld pro Monat reicht mir, um alle meine Bedürfnisse erfüllen zu können?
  7. Wer kann mich bei meiner Berufsorientierung vielleicht beraten?
  8. Kann ich mir das Modell „Teilzeitjob + nebenbei selbstständig arbeiten“ vorstellen?

Bei diesen Überlegungen solltest du auch aktiv deine Eltern mit einbinden. Gib ihnen ruhig das Gefühl, dass ihre Meinung wichtig ist. Sprecht über verschiedene Möglichkeiten und hole dir Feedback und höre dir ihre Ratschläge an. Erkläre ihnen, dass du in deinem Architekturstudium gelernt hast, systematisch zu arbeiten und Probleme anzugehen und dass dein Studium keinesfalls für umsonst war. Wenn du bereits eine konkrete Geschäftsidee hast oder weißt, wie du deine Fähigkeiten erstmal selbstständig als Freelancer verkaufen kannst, dann schildere ihnen dein Modell.

Erkläre ihnen, dass das eine bewusste Entscheidung von dir ist. Stelle ihnen folgende Frage und gucke wie sie reagieren:

„Möchtet ihr, dass ich den Job mache, den ihr euch für mich vielleicht gerade vorstellt oder möchtet ihr, dass ich etwas mache was mich glücklich macht?“

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Oliver Haas
Hamburg

Hi! Ich bin Olli und freu mich sehr, dich auf Wolfsmilch begrüßen zu dürfen! Seit 2015 arbeite ich im Sommer für eine Festivalreihe in Hamburg und im Winter zieht es mich in wärmere Gefielde. Nebenbei begann ich als Freelancer im Webbereich und taste mich nun langsam heran an das Leben, das ich führen möchte. Das Leben als Digitaler Nomade. Also unabhängig mein Geld mit Dingen verdienen, die mir Spaß bringen. Und das nahezu von jedem Ort der Welt aus. Meine Erfahrungen möchte ich hier mit dir teilen. Im "Rucksack" wirst du Artikel und Stories rund ums Reisen und alles was dazu gehört finden. "Laptop" versorgt dich mit Wissen und Anregungen über das Arbeiten als Digitaler Nomade und Freelancer. Und "Rekorder" stellt dir interessante Menschen vor, die etwas gemeinsam haben: Sie alle haben ihr Ding durchgezogen. Tust du das auch?

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