Batu Bambu
Rekorder

Im Gespräch mit Elisa

By on 18. März 2016

Ein Gästehaus mit dem Namen Batu Bambu in dem alle zusammen kochen, surfen und abhängen.

Das klingt richtig einladend oder? Das dachte Elisa sich auch oft…und hat schließlich auf der Insel Lombok in Indonesien angefangen ihr Batu Bambu zu bauen. Ich habe sie dort getroffen und ausgefragt.

 

Zu aller erst: Wie ist die Idee, ein Gästehaus auf Lombok zu bauen denn gereift? Warum ein Gästehaus? Und warum auf Lombok?

Das ist eine lange Geschichte. Seit 2010 war ich zwar schon oft in Indonesien unterwegs, bin aber erst 2014 das erste Mal nach Lombok gekommen und habe mich sofort richtig wohl hier gefühlt.
Kurz vor dieser Reise ist meine WG in Lüneburg völlig abgebrannt, weil im Restaurant unter der Wohnung Feuer gelegt wurde. Im Grunde hatte ich keinerlei materiellen Besitz mehr, was im ersten Moment ein Schock war, sich aber nach und nach eher als Erleichterung anfühlte. Zum Glück hat die Versicherung den Schaden gezahlt und ich hatte plötzlich Geld auf meinem Konto, welches ich nicht in sinnlose Besitztümer, sondern lieber in meine Zukunft investieren wollte.

Nach etwa einem Monat in Lombok wusste ich dann, dass dies der perfekte Ort ist, um meinen Traum zu verwirklichen. Ich reiste zurück nach Deutschland und plante einen erneuten halbjährigen Aufenthalt in Lombok. Während dieser sechs Monate habe ich meine Bachelorarbeit „Internationaler Tourismus als Faktor für Lokalentwicklung in Kuta Lombok„ geschrieben und vor Ort recherchiert um möglichst viel über die Region, die Menschen und deren Kultur zu erfahren. Dabei habe ich entgültig festgestellt, wie sehr ich diesen Ort liebe und mich dann auch entschieden ein Stück Land zu kaufen. Nach Abgabe der Bachelorarbeit im Mai 2015 bin ich sofort zurück nach Lombok.

Natürlich waren neben den beschriebenen Umständen selbstverständlich auch die guten Wellen zum Surfen und die wirklich traumhaften Strände durchaus ein Grund.
Ich war in meinem Leben schon sehr viel Reisen und nach unzähligen Nächten in den verschiedensten Unterkünften ist mehr und mehr der Traum gereift nicht immer nur Gast zu sein, sondern vielleicht irgendwann auch einmal Gastgeberin. Es waren irgendwie viele Dinge auf einmal die sich gefügt haben und plötzlich wurde der Grundstein für das Gästehaus gelegt.

Wurdest du dabei von deiner Familie und deinen Freunden von Anfang an unterstützt oder gab es auch einige, die fassungslos den Kopf geschüttelt haben?

Ich war schon viel in der Welt unterwegs und habe damit fast den Grundstein dafür gelegt, dass mittlerweile niemand mehr mit dem Kopf schüttelt. Außerdem komme ich aus einer Architektenfamilie, da ist der Satz „Ich würde da gerne etwas bauen.“ nicht so ungewöhnlich wie vielleicht in anderen Familien. Dass ich das Ganze aber in Indonesien machen wollte ist natürlich nochmal eine ganz andere Herausforderung.

Mein Opa meinte bei einem Geburtstagsfrühstück mal „ Was willst du den eigentlich da hinten?“. Mit „da hinten“ war tatsächlich Lombok gemeint. Ich glaube meine Abenteuerlust ist für die „Großeltern-generation“ nicht ganz so einfach nachzuvollziehen. Warum sollte man mit abgeschlossenem Studium und guten Chancen im „sicheren“ Deutschland ausgerechnet auf so eine kleine Insel „da hinten“ in Indonesien? Nicht desto trotz unterstützen mich auch meine Großeltern voll und freuen sich immer darüber Mails und Fotos der neuen Bauabschnitte des Gästehauses zu bekommen.

Was waren denn die größten Hürden bezüglich Papierkram usw, bevor überhaupt der Grundstein gelegt wurde?

Da gab es schon einige Hürden, aber wir wollen ja nicht, dass das Interview fünf Stunden geht. Ich will es mal so formulieren:
In Deutschland geht man sicherlich auch von einem Amt zum anderen aber kann sich in der Regel auf die Aussagen und die Preise, die einem genannt werden verlassen. In Indonesien ist das eher nicht so. Jeder sagt einem etwas anderes. Dinge sind teurer wenn sie schneller gehen sollen und auch schon teurer nur weil ich keine Indonesierin bin. Aber mit der Zeit findet man hilfreiche Kontakte und kämpft sich irgendwie durch den Behördendschungel.

Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass man sich hier von der deutschen Zuverlässigkeit und Gründlichkeit etwas verabschieden muss und wer, wie ich nicht geduldig ist, wird es spätestens hier lernen. Ein „Ja, das Dokument ist nächste Woche fertig.“ sollte man hier also als „Ok, vielleicht sollte ich so in zwei Wochen nochmals daran erinnern, damit ich es dann in zwei Monaten auch wirklich habe.“ behandeln.
Die Uhren ticken hier etwas anders aber irgendwie gewöhnt man sich daran.

 

Auch wenn du nicht den direkten Vergleich hast: Aber was gestaltete sich denn bei deinem Projekt bisher definitiv einfacher, als es wahrscheinlich in Deutschland der Fall wäre?
Und wo würdest du sagen, tun sich in Indonesien Hürden auf, die in Deutschland eher keine so großen wären?

Ein Vorteil ist definitiv der finanzielle Aspekt. Was ich hier gerade umsetze, könnte ich mir in Deutschland niemals leisten. Zwar habe ich Schulden bei meiner Familie aufnehmen müssen aber die sind überschaubar. Auch gibt es kaum Vorschriften für die Baustelle. Bei mir rennen die Arbeiter in Flip-Flops über den Platz wo mein Vater am Anfang nur den Kopf geschüttelt hat. Kein festes Schuhwerk, kein Helm. Ich habe mal angeboten gute Schuhe zu kaufen aber das wurde dankend abgelehnt.

In der Kultur der Sasak in Lombok wird für jedes Fundament eines Hauses ein Hahn geschlachtet. Die Menschen glauben daran, dass wenn einmal Blut auf der Baustelle vergossen wurde kein weiteres fließen wird. Demnach musste ich Tierliebhaberin schon einige Male auf den Markt fahren und einen Hahn kaufen. Bis jetzt gab es aber tatsächlich keine nennenswerten Unfälle.

Hürden sind definitiv der Papierkram, der wirklich nicht zu unterschätzen ist. Zudem lernt man hier schnell, dass man ohne gute Kontakte wirklich aufgeschmissen ist. In Deutschland würde man mal eben „Schreiner in Hamburg“ googeln. Hier funktioniert das leider nicht. Wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, dessen Onkel zufällig Schreiner ist hat man aber Glück. Ich habe auch Freunde hier die schon gebaut haben und komme so an gute Kontakte.

Wurdest du und dein Projekt von den Menschen hier gut aufgenommen?

Ich eröffne das Gästehaus in einem kleinen Ortsteil von Kuta in dem bisher noch kein „Bule“ (indonesische Bezeichnung für Tourist/Ausländer) etwas gebaut hat. Demnach hat mich das Dorf von Anfang an sehr herzlich unterstützt. Ich versuche auch die Dorfgemeinschaft zu integrieren wo ich kann. Mein Security-Mann ist mein Nachbar, scheine Schwiegertochter hilft beim Putzen und als wir unsere Betondecke gossen, haben 40 Leute aus dem Dorf mitgearbeitet. Somit hatten viele dadurch ein kleines Einkommen und kamen dann manchmal auch einfach am nächsten Tag wieder weil sie wieder Arbeit haben wollten. Das war dann sehr schwer, die Leute die so gerne arbeiten würden wieder nach Hause zu schicken, aber es waren einfach zu viele.
Ich habe z.B. auch die Einfahrt von der Hauptstraße runter ins Dorf repariert, damit die LKWs mit Materialien überhaupt zu meiner Baustelle fahren können. Da hat sich die Dorfgemeinschaft auch sehr gefreut, da man besonders in der Regenzeit den Berg kaum hochgekommen ist.

Du eröffnest das Batu Bambu in knapp zwei Monaten. Worauf freust du dich nach der Eröffnung am meisten?

Da gibt es sehr viel, auf das ich mich freue. Ich bin zwar aus einer Architektenfamilie und merke, wie viel Spaß und Freude es bringt aus Bauplänen die Wirklichkeit zu schaffen, aber trotzdem baue ich nicht um zu bauen, sondern eher um endlich Gäste beherbergen zu können.

Ich freue mich sehr darauf, meine Erfahrungen, die ich in meinen zwei Jahren in Indonesien gemacht habe, mit den Gästen zu teilen. Wer bei mir wohnt wird definitiv viel von der einheimischen Kultur mitbekommen und sehen wie das Leben in Lombok für die Einheimischen ist. Wenn mich Freunde besuchen, nehme ich die oft zu meinen zwei einheimischen Familien mit, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Gemeinsam wird gekocht, gegessen, gelacht und viel voneinander gelernt.

Es ist hier doch ein ziemlich anderes Leben als in Deutschland und ich möchte meinen Gästen davon so viel wie möglich zeigen, weil es gerade kulturell unglaublich spannend und sehr bereichernd ist. Deshalb startet das Batu Bambu ganz bewusst erstmal nur mit vier mietbaren Zimmern, was es mir ermöglichen soll, mehr Zeit mit meinen Gästen zu verbingen.

Ich bin während der Bauphase sehr eingespannt und sehne mich nach einer Pause zum Energie tanken, damit ich auch bei meinen anderen Projekten hier wieder mehr mitwirken kann. Ich habe zum Beispiel mit drei Einheimischen die „Lombok Kids Fondation“ gegründet. Sobald das Gästehaus eröffnet ist, möchte ich auch wieder mehr Zeit für die Kids haben.

 
Elisa empfängt mittlerweile ihre Gäste im Batu Bambu. Mehr Infos findest du auf der Website.

Mehr Infos zur Lombok Kids Foundation findest du auf hier.

Elisa hat außerdem ein kleines Fundraising für ihre Freundin Nary gestartet, die mit ihrer Familie auf Grund einer Straßensanierung umziehen musste und Unterstützung bei der Renovierung des neuen Hauses benötigt.

Wenn du Nary und ihre Familie mit ein paar Euro unterstützen möchtest, dann hilfst du nicht nur einer Familie bei der Gründung einer neuen Existenz sondern bekommst von Nary auch eine Postkarte.
Guck doch mal hier.

Batu Bambu

 

Sobald das Batu Bambu eine eigene Website hat, wird diese hier auch erscheinen. Also: stay tuned 🙂

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Oliver Haas
Hamburg

Hi! Ich bin Olli und freu mich sehr, dich auf Wolfsmilch begrüßen zu dürfen! Seit 2015 arbeite ich im Sommer für eine Festivalreihe in Hamburg und im Winter zieht es mich in wärmere Gefielde. Nebenbei begann ich als Freelancer im Webbereich und taste mich nun langsam heran an das Leben, das ich führen möchte. Das Leben als Digitaler Nomade. Also unabhängig mein Geld mit Dingen verdienen, die mir Spaß bringen. Und das nahezu von jedem Ort der Welt aus. Meine Erfahrungen möchte ich hier mit dir teilen. Im "Rucksack" wirst du Artikel und Stories rund ums Reisen und alles was dazu gehört finden. "Laptop" versorgt dich mit Wissen und Anregungen über das Arbeiten als Digitaler Nomade und Freelancer. Und "Rekorder" stellt dir interessante Menschen vor, die etwas gemeinsam haben: Sie alle haben ihr Ding durchgezogen. Tust du das auch?

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