Die besten Reiseländer
Rucksack

Warum es die besten Reiseländer nicht gibt

By on 15. Juni 2016

Auf unserer Erde gibt es 194 Länder. Aktuell darfst du als deutscher Staatsbürger 173 davon bereisen, ohne vorher ein Visum beantragen zu müssen. „Die Auswahl ist groß“ ist also eine ziemliche Untertreibung, wenn man bedenkt, dass viele Länder unterschiedliche Regionen besitzen und deshalb auch ganz individuell bereist werden können.

 

Wohin soll ich reisen?

Dieser Tage können wir von einem Reiseluxus sprechen. Nicht nur, weil wir fast jedes Land der Welt bereisen dürfen, sondern auch weil Reisen nie einfacher war. Die meisten Strandbars besitzen WLAN, fast überall fahren Busse und Taxis, jedes beliebte Reiseland ist gespickt mit Backpacker-Hostels in denen du Gleichgesinnte und Reisepartner findest.

Aber was zeichnet eigentlich ein beliebtes Reiseland aus und wer legt fest, welche Länder reisefreundlicher sind als andere? Und sind Infrastruktur, günstige Unterkünfte und Traumstrände wirklich die einzigen Kategorien nach denen die besten Reiseländer festgelegt werden sollen? Ne, finde ich nicht.

Denn ganz ehrlich: Die besten Reiseländer gibt es nicht. Diese Liste sieht bei jedem von uns anders aus. Viele feiern Australien als das Top-Backpacker-Land, andere (wie ich) finden den riesigen Inselkontinent eher langweilig. Manche Backpacker lieben Bangkok, andere verfluchen es. Das perfekte Reiseziel bestimmst du selbst für dich. Oder besser gesagt: Es ergibt sich meistens.Zwei Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle: Der Zufall und dein Bewusstsein.

Zwei wichtige Faktoren

Der Zufall spielt eine ganz wesentliche Rolle. Lernst du die coolsten Menschen der Welt auf deiner Reise kennen, gestaltet sich jeder Trip nochmal hundert mal geiler und jedes Land beeindruckt dich noch mehr. Genauso sehen die meisten Städte oder Inseln bei Dauerregen nicht so prickelnd aus. Du wirst heftig krank oder verletzt dich? Meistens kann das Land nichts dafür, aber die schlechte Erinnerung wirst du trotzdem länger damit in Verbindung bringen. Eine zweite Chance bekommen Länder, in denen wir mal auf die Schnauze gefallen sind oft nicht mehr. Auch wenn wir es nicht gerne zugeben: Unser Unterbewusstsein merkt sich die Erfahrungen.

Und gerade weil wir uns da gerne so leicht manipulieren lassen, bin ich dafür, dass wir etwas bewusster reisen sollten. Und darauf möchte ich im Folgenden etwas genauer eingehen.

 

Warum reist du?

Betrachtest du, so wie ich das bewusste Reisen als wertvoll hast du dich sicherlich auch schon mal gefragt, warum du eigentlich unterwegs bist. Für mich bedeutet das Reisen eine Erweiterung meines Horizonts. Klingt platt, aber bisher hat jeder Trip mir neue tolle Erfahrungen geschenkt und meine Sichtweise auf Menschen und die Welt jedesmal erneuert. Außerdem ist es für mich ein großes Gefühl von Freiheit, wenn ich in den Flieger oder in den Zug steigen kann, ohne mich bei jemandem abmelden oder um Erlaubnis fragen muss.

Dass ich von überall aus arbeiten kann und online sein möchte, gehört mittlerweile ganz selbstverständlich dazu, da ich auf Dauer ortsunabhängig leben und arbeiten möchte. Für mich ist also ziemlich klar, warum ich reise und auf welche Art von Trip und Destination ich Lust habe. In konkreten Worte sieht das dann etwa so aus:

  • Wenigstens teilweise Zugang zu guter Infrastruktur und stabilem Internet
  • Gleichzeitig die Möglichkeit bei Outdoor-Aktivitäten in der Natur abzuschalten
  • Eine gute Mischung aus lokaler Kultur und spannenden Sehenswürdigkeiten
  • Freundlicher Austausch mit interessanten Menschen vor Ort
  • Die Möglichkeit, länger an einem Ort zu verweilen

Einen guten Plan zeichnet Flexibilität aus

Klar werden viele Länder nicht alle meine Erwartungen erfüllen können. Deshalb bin ich auch immer bereit, Kompromisse einzugehen und mich damit zu arrangieren. So wusste ich, dass in Nepal nicht viele Möglichkeiten zum effektiven Arbeiten mit dem Laptop gegeben sind. Deshalb habe ich in Thailand vorgearbeitet und konnte die Zeit in Nepal dann mit den Einheimischen und meiner Gastfamilie verbringen und habe diese Offline-Phase viel für mich selbst genutzt.

Ich glaube deshalb, dass die Mischung aus „Ich weiß, was ich will“ und „Ich bin aber auch offen und flexibel“ die beste Reisevorbereitung ist, die du machen kannst. Gerade zu wissen, warum du reist, kann dir später unnötige Enttäuschungen erspraren. Genauso will ich aber eben auch überrascht werden und nicht geradlinig meine geplanten Pfade ablaufen.

Die Welt steht uns offen

Für die Flexiblen und Offenen unter uns bietet das Internet mittlerweile einige Optionen. Couchsurfing lässt dich bei Locals auf der ganzen Welt unterkommen, egal ob im Iran oder Kanada. Außerdem bietet die Seite zu nahezu jeder Stadt ein Forum, in dem man sich mit anderen Reisenden und Locals verabreden kann.

Viele Länder und Städte haben in Facebook ihre Backpacker- und Digitale-Nomaden-Gruppen in denen meist reger Austausch stattfindet und du dir immer Tipps und Inspiration abholen kannst. Genauso gibt es allein in Deutschland hunderte von Reiseblogs, die oft auch nur länderspezifisch gut recherchierte Infos zu bieten haben. Eine nette kleine Liste voll spannender Reiseländer, zusammengestellt von Reisebloggern hat Anne von goingvagabond hier. Lass dich ruhig von anderen Backpackern und Nomaden inspierieren und stöber ein bisschen in der Community. Dort findest du auch Reisegeschichten, die der typische Reiseführer nicht parat hat.

Wer sich der König der Flexiblen nennen möchte, kann ab 66€ bei Eurowings einen Trip via BlindBooking buchen. Dabei legst du ganz grob fest, auf was du Lust hast. (Party, Natur, Kultur, etc.) und darfst noch drei Destinationen ausschließen. Wo genau es dann für dich hingeht, erfährst du nach der Buchung.

Die besten Reiseländer

 

Lege deine eigenen Rubriken fest

Wenn du also weißt, warum du reist und gleichzeitig offen für Neues bist, macht es Sinn, sich das Reiseland deinen Bedürfnissen nach auszusuchen. Haben wir ja alle schon gemacht, besagtes Australien machen viele gern, weil es DAS Backpacker-Land nach dem Abi ist. Die USA sind das Au-pair-Ziel schlechthin. Aber wenn du bewusst reisen möchtest, sind das nun mal nicht die einzigen Länder auf der Welt.

Mach dir also doch ganz einfach, so wie ich deine eigenen Rubriken für deine nächste Reise. Was willst du unbedingt haben, worauf kannst du verzichten und was willst du auf keinen Fall. Eine Entscheidungshilfe liefert dir die umfangreiche Datenbank von Nomadlist, auf der du dir Städte nach bestimmten Rubriken anzeigen lassen kannst. Da immer die Lebensunterhaltskosten mit angegeben, besonders interessant für Digitale Nomaden und alle Arten von ortsunabhängige Arbeitern. Ehrlich gesagt kann man auf der Seite Stunden verbringen.

Falls du mittlerweile nicht eh schon weißt, wo du hinwillst und wie du reisen möchtest, schlage ich dir hier noch ein paar Rubriken vor, nach denen du gehen kannst.

Reiseziele für Einsteiger

Als Reiseneuling möchtest du wahrscheinlich nicht gleich in den afrikanischen Dschungel oder in den Himalaya. Aber keine Sorge, viele Länder bieten gerade für Einsteiger eine ausgebaute Infrastruktur, verständliches Englisch, viele Hostels und spannende Sehenswürdigkeiten. Auch hier kann ich dir nur wieder das Stöbern auf den vielen Reiseblogs empfehlen. Da schreiben Leute, die oft schon viel unterwegs waren und dich mit guten Tipps versorgen können. Natürlich ist auch wieder der Klassiker Australien dabei. Genauso spannend sind aber auch viele Teile Europas, Thailand, Marocco oder Neuseeland.

Sicherheit auf Reisen

Klar, wir wollen uns wohlfühlen in unserer Backpackerhaut. Es ist kein schönes Gefühl, wenn man meint, niemanden über den Weg trauen zu können. Das ist dann weit weg von Zuhause einfach eine herbe Enttäuschung und kann den ganzen Trip versauen. Generell kann ich dir empfehlen, dass Panik vor deinem Trio Quatsch ist. Niemandem, den ich auf meinen Reisen kennengelernt habe, ist wirklich ernsthaft schon mal etwas passiert. Zum bewussten Reisen gehört neben der Offenheit eben auch ein offenes Auge.

Kosten

Für die Meisten einer der ausschlaggebensten Punkte bei der Reiseplanung. In Ländern wie Nepal, kannst du für 400€ im Monat leben. In Kalifornien oder Norwegen sind es dann locker über 2.000€.  Wer hier offen auf Locals zugeht und sich Zeit nimmt, kann in vielen teureren Destination Geld sparen. Stichwort: Couchsurfing oder für Kost und Logie arbeiten.

Infrastruktur

Die meisten Länder der Welt bieten mittlerweile eine halbwegs intakte Infrastruktur bestehend aus Straßen, Eisenbahn und Flughäfen. Klar dauert es manchmal etwas länger bis der nächste Bus kommt. Aber oft hast du in dem dann auch schon Internet oder das nächste Internetcafe ist zumindest nicht weit. Die Welt wächst zusammen und das passiert vor allem durch das Internet und durch Tourismus. Und da das die meisten Länder auf der Welt begriffen haben, investieren sie in den Fortschritt. Zu Fuß gehen musste ich jedenfalls bisher nur, wenn ich es selbst wollte und einen Internetzugang hatte ich auch mindestens alle zwei Tage.

Natur oder Stadt

Mit dem steigenden Tourismus kommt natürlich auch die Vergrößerung der Städte und der Ausbau von Tourihochburgen. Da solltest du dir auch gut überlegen, worauf du auf deiner Reise Lust hast. Eher buntes Großstadtflair oder lieber viel Grün und Ruhe um dich herum? Oder beides? Bieten viele Länder ja auch an.

Sitten und Gebräuche

Dieser Punkt sollte für niemanden ein Problem darstellen. Denn wer reist, kommt ganz automatisch mit anderen Kulturen und deren Sitten und Bräuche in Verbindung. Dennoch sind viele Backpacker manchmal irritiert oder verängstigt von bestimmten Ritualen in anderen Ländern. Natürlich gilt es in fast jedem Land bestimmte Regeln einzuhalten, das gehört prinzipiell zum Respekt vor anderen Kulturen, kann dich unter Umständen aber auch einengen. Sei dir bewusst, wie tolerant du deine Reise gestalten möchtest und wäge ab, ob manche Länder dann für dich eher nicht in Frage kommen.

Ethnisch korrekt und grün reisen

Gerade habe ich noch über den Respekt vor anderen Kulturen geschrieben. Genauso gibt es für mich aber Länder, deren Führungen unkorrekte und abwertende Prinzipien gegenüber Minderheiten und anderen Kulturkreisen verfolgen. Auch hier solltest du dir bewusst sein, inwiefern du ein Land besuchen möchtest, das viele Schlagzeilen durch traurige Aktionen macht. Auch in Sachen Umweltschutz sind viele Länder noch weit hinter Deutschland. Oft einfach, weil die finanziellen Mittel für eine bessere Entsorgung und Infrastruktur fehlen. Hier wirst du feststellen, dass jede Kultur auch ein ganz anderes Bewusstsein hat. Menschen in sehr armen Regionen haben nun mal andere Probleme als den Müll auf der Straße. Gleichzeitig solltest du selbst, als Bewusster Reisender überlegen, wie du von A nach B kommst. Muss es immer das Flugzeug sein oder bietet sich auch mal der Bus oder die Bahn an?

Na, sind wir uns jetzt einig, dass es die besten Reiseländer nicht gibt? Wie entscheidest du, wo es für dich als nächstes hingehen wird? Schreib es mir in den Kommentaren!

 

 

 

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Oliver Haas
Hamburg

Hi! Ich bin Olli und freu mich sehr, dich auf Wolfsmilch begrüßen zu dürfen! Seit 2015 arbeite ich im Sommer für eine Festivalreihe in Hamburg und im Winter zieht es mich in wärmere Gefielde. Nebenbei begann ich als Freelancer im Webbereich und taste mich nun langsam heran an das Leben, das ich führen möchte. Das Leben als Digitaler Nomade. Also unabhängig mein Geld mit Dingen verdienen, die mir Spaß bringen. Und das nahezu von jedem Ort der Welt aus. Meine Erfahrungen möchte ich hier mit dir teilen. Im "Rucksack" wirst du Artikel und Stories rund ums Reisen und alles was dazu gehört finden. "Laptop" versorgt dich mit Wissen und Anregungen über das Arbeiten als Digitaler Nomade und Freelancer. Und "Rekorder" stellt dir interessante Menschen vor, die etwas gemeinsam haben: Sie alle haben ihr Ding durchgezogen. Tust du das auch?

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