Andreas Brendt Boarderlines
Rekorder

Im Gespräch mit Andi

By on 9. Mai 2016

Die meisten VWL-Studenten ziehen ihr Studium mehr oder weniger an einem Stück durch und starten danach ins Berufsleben. Andreas Brendt hingegen infiziert sich während seiner Uni-Zeit mit dem Surfvirus und wechselt daraufhin Jahre lang zwischen Hörsaal und Strand. Er jagt der perfekten Welle genauso nach wie jedem Abenteuer, hat mit bewaffneten Gangs in Südafrika zu tun, macht Bekanntschaft mit einem Hai und gerät in Mexiko mitten in einen Bürgerkrieg. Seine Geschichten erzählt er in seinen Büchern „Boarderlines“ und „Boarderlines – Fuck You Happiness“. Ein Gespräch mit Andi, der es liebt naiv zu sein.

Andi, du warst kürzlich mit deinem zweiten Buch „Fuck You Happiness“ auf Lesetour. Wie ist das Feedback bisher?

Die ersten Lesungen in Köln und München haben super Spaß gemacht, weil alle eine Menge gelacht haben. Das tut natürlich gut nach all der Arbeit und dem Herzblut, die im zweiten Teil stecken. Und wenn das, wofür ich so lange gekämpft habe, dann ankommt und begeistert, dann geht mir das Herz auf. Da werde ich richtig sentimental manchmal (grinst).

In deinem ersten Buch hast du deinen Weg vom Studenten in Köln über das erste Surferlebnis in Australien bis zum passionierten Surfer und Weltenbummler beschrieben. Was erwartet uns bei „Fuck You Happiness“? Der Titel klingt ein bisschen nach „Ich brauch kein Glück, um meinen Weg und mich selbst zu finden!“.

Der zweite Teil beginnt mit der Rückkehr nach Deutschland und dem Wiedereingliederungsversuch in die heimische Gesellschaft. Und das auch noch als Beamter, was zu einigen Reibungspunkten geführt hat, weil der deutsche Beamtenapparat weniger Spaß versteht als ich. Dann habe ich meine erste Freundin “erobert“ und all das, sowie der Kampf mit Alltag lassen auch schnell wieder die Lust auf Reisen und Abenteuer explodieren. Alles in allem sehr lustig und romantisch und haarsträubend wie eh und je. Dann zerbricht das große Glück und stürzt mich in eine tiefe Lebenskrise. Eine von der Sorte, die auch Kindheitserlebnisse reaktiviert und Leichen aus dem Keller holt und letztendlich eine, die neue Türen öffnet. Es kommt zu spirituellen Selbstversuchen, die hoffentlich genauso witzig wie faszinierend sind. Am Ende des Buchs folgt dann ein wenig Selbsterkenntnis und ein Moment, der mein Leben verändert hat.

Wenn ich alles richtig gemacht habe, dann lacht sich der Leser halb tot, wird die eine oder andere Träne verdrücken und sich am Ende besser kennen als zuvor. Und natürlich noch mehr Lust auf Leben haben. Und „Fuck You Happiness“ ging so in die Richtung, dass der Wunsch oder die Idee irgendein Glück finden zu müssen, eine Selbstverwirklichung zu bewerkstelligen oder etwas Besonderes zu tun, dem wunderbaren, einfachen Leben manchmal ziemlich im Weg stehen kann.

Trotz deiner Reiselust hast du dein Studium durchgezogen, arbeitest mittlerweile als Lehrer in einem Berufskolleg, hältst Vorträge, hast ein Surfcamp geleitet und die Deutsche Nationalmannschaft betreut. Nicht unbedingt der typische Weg für einen ehemaligen VWL-Studenten. Bist du dabei immer ins kalte Wasser gesprungen oder war es dir auch wichtig, eine gewisse Sicherheit zu haben?

Ich habe, ehrlich gesagt, ein recht starkes Sicherheitsbedürfnis. Zuerst in Form von guten Noten, um mein Vagabundenleben zu rechtfertigen und trotzdem potentielle Möglichkeit auf einen normalen Job zu halten (trotz stetig wachsender Lücken im Lebenslauf). Dann habe ich immer viel gespart, um im Notfall auch mal das eine oder andere Jahr ohne Einkommen überbrücken zu können und die Sabbatjahre, die ich nun mache, sind quasi die Spitze des Eisbergs. Dafür muss ich ja gar nicht mehr mutig sein. Aber neben dem Existentiellen gibt es noch andere Möglichkeiten, mutig zu sein. Große Wellen oder ein fremdes Mädchen in der Kneipe ansprechen zum Beispiel. Oder einen fremden Menschen auf der Straße zum Kaffee einladen. Alles, wozu wir aus der Komfortzone raus müssen, bedroht unsere Sicherheiten. Das Leben ist eine Spielwiese.

Viele Menschen träumen davon, mal ein Buch zu schreiben. Du selbst bezeichnest dich nicht als Schriftsteller, sondern schreibst weil du Sprache magst. Hast du ein paar Tipps für angehende Autoren auf Lager?

Schreiben, schreiben, schreiben. Und dann viel Feedback einsammeln und lernen, dass man es nicht allen recht machen kann. Wenn man dann so etwas wie seinen eigenen Stil gefunden hat, dürfen die brutalsten Kritiker ran. Das schmerzt ungemein, aber gehört dazu. Der beste Tipp ist vermutlich: Roy Peter Clark und seine „50 Werkzeuge für gutes Schreiben“. Irre gutes Buch über Sprache und die Effekte, die man damit erreichen kann und alle anderen Probleme, die mit Schreiben zu tun haben auch. Und es ist natürlich super gut geschrieben.

Wir sitzen hier gerade auf deiner Dachterrasse in Köln. Ist die Stadt für dich deine feste Homebase oder fühlst du dich an anderen Orten genauso Zuhause?

Köln ist definitiv meine Homebase. Aber es gibt auch ein paar Orte unterwegs, wo ich mich mittlerweile sehr heimisch fühle (z.B. Mexico). Manchmal ist „Zuhause“ auch Einstellungssache. Wenn das gut läuft, kann ich mich überall Zuhause und den Menschen nah fühlen. Aber dort, wo man jeden Tag zum Bäcker geht, die Supermarktkassiererin kennt und so viele Freunde wohnen, da ist es schon besonders schön.

Siehst du dich in 10 Jahren noch in Köln oder wird man da Andi vielleicht doch nochmal als Surfcoach in Frankreich oder auf Bali antreffen?

Alles, was ich weiß, ist, dass ich nix weiß. Weder über das Leben und auch nicht viel über meins. Ich glaube, wir sind sehr viel freier als wir denken. Ich kann morgen alles stehen und liegen lassen und für 5 Jahre nach Indien reisen. Oder ich werde womöglich ein richtiger Schriftsteller (wenn die Leser erkennen, wie wichtig es ist, weiter zu empfehlen und Autoren, die man mag, zu unterstützen). Damit kämen ganz neue Freiheiten und dann hätte ich total Lust, nochmal als Surflehrer zu arbeiten. Oder Surfguiding zu machen. Im Moment freue ich mich aber erst mal einfach nur auf eine Hütte am pazifischen Ozean, auf Ruhe und Wellen und all das schon in ein paar Wochen.

 

Mehr über Andi und seine Bücher findest du auf boarderlines-buch.de. Stehst du auf schöne, witzige und skurile Geschichten, die passieren wenn man seine Komfortzone verlässt, kann ich dir die Bücher nur empfehlen. Andi schreibt und lebt mit Herz.

Das Video zum Interview findest du auf meinem YouTube-Kanal.

 

 

 

 

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Oliver Haas
Hamburg

Hi! Ich bin Olli und freu mich sehr, dich auf Wolfsmilch begrüßen zu dürfen! Seit 2015 arbeite ich im Sommer für eine Festivalreihe in Hamburg und im Winter zieht es mich in wärmere Gefielde. Nebenbei begann ich als Freelancer im Webbereich und taste mich nun langsam heran an das Leben, das ich führen möchte. Das Leben als Digitaler Nomade. Also unabhängig mein Geld mit Dingen verdienen, die mir Spaß bringen. Und das nahezu von jedem Ort der Welt aus. Meine Erfahrungen möchte ich hier mit dir teilen. Im "Rucksack" wirst du Artikel und Stories rund ums Reisen und alles was dazu gehört finden. "Laptop" versorgt dich mit Wissen und Anregungen über das Arbeiten als Digitaler Nomade und Freelancer. Und "Rekorder" stellt dir interessante Menschen vor, die etwas gemeinsam haben: Sie alle haben ihr Ding durchgezogen. Tust du das auch?

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