Alleine reisen
Rucksack

6 gute Gründe warum du alleine reisen solltest

By on 28. Dezember 2015

Hast du Angst vor dem Alleine Reisen?

Du fürchtest dich vor dem Ungewissen und der Fremde da draußen. Du siehst alle möglichen Schwierigkeiten, Risiken und Gefahren. Aber du siehst nicht die Möglichkeiten, die uns das Alleine Reisen bietet. Ich kenne dein Gefühl. Mir ging es vor drei Jahren noch genauso.

Ich sitze gerade hier auf der Terrasse meines Hostels auf Koh Tao. Die Regenzeit Asiens macht heute definitiv ihrem Namen alle Ehre. Handy und iPod liegen neben mir in einer Schüssel Reis, in der Hoffnung, dass dieser sämtliche Feuchtigkeit, welche die Geräte beim ersten Regenguss abbekommen hatten wieder aus ihnen herauszieht.

Klingt nach einem beschissenen Tag? Es geht! Denn ich bin ja auch selbst schuld. Würde ich über etwas mehr Geduld verfügen, dann hätte ich mich untergestellt oder die Geräte richtig in meinem Rucksack verpackt. Sowas passiert eben. Mir ein zweites Mal aber sicher nicht mehr. Die Lektion habe ich gelernt.

Aber warum erzähle ich das jetzt oder warum schreibe ich genau heute über die Angst alleine zu reisen? Weil heute so ein Tag war, an dem ich es sehr genossen habe, alleine zu reisen. Ich bin aufgestanden, habe mir Frühstück gemacht und ein bisschen im Netz gesurft. Dann überlegt, ob ich heute schon einen Roller mieten sollte oder doch lieber die Insel etwas zu Fuß erkunden sollte. Hab mich dann für das Laufen entschieden. (Gute Entscheidung im Hinblick auf den Regen. Da macht der Roller auch keinen Spaß.)

So bin ich schließlich einfach mal losgelaufen. Sprichwörtlich über Berg und Tal. Alter Schwede, ist Koh Tao teilweise steil! Aber gut, ich wollte es ja so. Ich hab immer wieder mal angehalten, um ein paar Bilder zu machen und um einem verunglückten Motorradfahrer an einem sehr steilen Hang wieder aufzuhelfen. Auf dem Rückweg hat es dann angefangen zu regnen und ich konnte mich gerade noch in der „Happy Bar“ unterstellen. Einem Wellblechverhau, der wohl schon lange keine Bar mehr ist. Kurz vor dem Regen hat mich sogar ein Thai gefragt, ob er mich auf seinem Roller ein Stück mitnehmen soll. Ich Trotzkopf hab natürlich dankend abgelehnt. Nachdem es mich vorhin bei einem leckeren Pai Thai unten an der Straße fast nochmal erwischt hat, hab ich es mehr oder weniger unbeschadet zum Hostel zurück geschafft.

Nun sitze ich jedenfalls im Trocknen, zusammen mit den beiden Hostel-Hunden. Mr. Steve und von dem kleineren Blonden weiß ich den Namen noch gar nicht. Wir lauschen gerade dem Regen, der auf das Dach prasselt…und meinem Hacken in die Tastatur.

Aber was will ich jetzt mit meinem Gelaber eigentlich ausdrücken? Ich will damit sagen, dass dieser Tag heute nur so passieren konnte, wie er passiert ist, weil ich alleine reise. Weil ich selbst entscheiden konnte worauf ich Lust hatte und keine Kompromisse eingehen musste.

Wäre ich mit jemandem anderen unterwegs gewesen, hätte der vielleicht keine Lust auf so eine lange Wanderung gehabt. Wäre ich nicht alleine unterwegs, hätte uns der nette Rollerfahrer sicherlich keinen Lift angeboten. Oder ich hätte nicht unbedingt da rasten können wo es mir beliebte. Und ich hätte meine improvisierte Spezi nach der Rückkehr ins Dorf nicht so ungeniert genießen können.

Klar wäre es mit dem einen oder anderen mir lieben Menschen auch ein verrückter, lustiger Tag geworden. Man hätte zusammen unter dem Wellblech der „Happy Bar“ auf eine Regenpause gewartet und vielleicht mag der andere ja genauso gerne Spezi.

Was ich sagen will: Probiert es aus! Habt keine Angst alleine zu reisen. Es kickt und ist eine Erfahrung wert! Und deshalb sind hier meine 6 Dinge, die ich durch das alleine Reisen als extrem positiv erfahren habe.

 

1. Du lernst viel leichter neue Leute kennen

Reist man zu zweit oder in einer kleinen Gruppe ist man oft sehr geschlossen unterwegs. Da meist nicht alle von euch gleich aufgeschlossen gegenüber Fremden sind, passt sich der Extrovertierteste der Gruppe früher oder später den anderen an. Aber auch wenn keiner Hemmungen hat fühlen sich auch andere Menschen im Zweifel eher etwas unsicher dabei euch anzusprechen. Ist man alleine geht es viel einfacher. Und man kommt vor allem mit anderen Alleinreisenden besser ins Gespräch. Und da ist die Freude einen Gleichgesinnten vor sich zu haben meistens schon recht groß.

Introvertiert zu sein ist übrigens nichts, was man als Schwäche auslegen sollte oder wofür man sich schämen muss. Ganz im Gegenteil! Als introvertierter Mensch suchst du dir meistens nur deine Gesprächspartner viel gezielter aus. Also wenn du von dir behauptest etwas verschlossen zu sein, warum probierst du es dann nicht mal mit dem alleine Reisen? Du kannst nur gewinnen. Ich habe es jedenfalls noch in keinem Hostel erlebt, dass ich keinen Anschluss gefunden habe. Da muss man sich meiner Meinung nach schon krampfhaft dagegen verschließen.

 

2. Die Einheimischen sind dir gegenüber aufgeschlossener

Ähnlich wie mit anderen Reisenden kommst du auch mit den Einheimischen als einzelner Nomade viel leichter in Berührung und in tieferen Kontakt. Und das ist es wirklich wert. Schließlich reisen wir doch nicht nur für Traumstrände oder billigere Cocktails, sondern weil wir etwas Neues und Anderes kennenlernen wollen. Wenn du Lust darauf hast, in andere Kulturen einzutauchen und die Einheimischen richtig kennenzulernen, dann probier doch mal Volunteering via helpx oder workaway. Das habe ich zwei Wochen später, nachdem ich diesen Artikel geschrieben habe in Nepal gemacht und ich kann nur sagen: Daumen hoch! Beste Erfahrung!

 

3. Du kannst deine Zeit gestalten, so wie du es möchtest

Keine Kompromisse, keine Streitereien wegen Nichtigkeiten, aufstehen wann du möchtest und so lange an einem Ort bleiben wie es dir beliebt. Du kannst deine Pläne jederzeit umschmeißen. Hast du coole Leute kennen gelernt und ihr wollt einen Trip zusammen machen? Go for it! Das ist etwas, das du als Solo-Traveler sehr schnell schätzen lernen wirst.

 

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4. Es kann ein sehr befreiendes Gefühl sein, alleine an einen Ort zu reisen an dem dich niemand kennt

Du spürst keinen Druck und hast keine Verpflichtungen. Jeder Mensch dort muss dich erst neu kennenlernen. Das hat meiner Meinung nach etwas sehr Befreiendes. Nach Thailand bin ich weiter nach Nepal gereist und habe dort bei einer Gastfamilie gearbeitet. Dort hatte ich dieses Gefühl sehr intensiv. Mehr dazu in meinem Artikel In einem Land voller Gegensätze – Vier Wochen in Nepal.

 

5. Es tut gut und ist lehrreich mal etwas alleine zu sein

Zu Hause verbringen wir oft wenig Zeit nur mit uns alleine. Viele Menschen, Freunde, Familie, Arbeitskollegen, Facebook, Tinder, Sportverein. Um richtig den Kopf frei zu bekommen, brauchst du einfach mal Zeit nur für dich. Gedanken ordnen, neue Pläne schmieden und deine Umgebung bewusster wahrnehmen. In sich zu gehen ist etwas Wertvolles. Go for it!

 

6. Du lernst so richtig zu schätzen, was du an manchen Menschen hast

Und wenn du mal ein wenig in dich gehst, weit weg von zu Hause, dann wirst du auch früher oder später feststellen, was du an deinen liebsten Mitmenschen hast. Heimweh ist nämlich ein gutes Gefühl und du solltest darin nichts Negatives sehen. Es macht dich stärker und lässt dich bewusster mit anderen Menschen umgehen. Wenn deine Freude an den Erlebnissen auf deiner Reise genauso groß ist, wie die Vorfreude auf deine Rückkehr, dann hast du alles richtig gemacht:)

Die am häufigsten gestellte Frage, nachdem ich Leuten von meinen Reiseplänen erzählt habe, ist: „Und du reist ganz alleine?“

Ja, ich reise gerne alleine. Weil ich nicht alleine bin. Nicht in meinem Kopf.

 

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Oliver Haas
Hamburg

Hi! Ich bin Olli und freu mich sehr, dich auf Wolfsmilch begrüßen zu dürfen! Seit 2015 arbeite ich im Sommer für eine Festivalreihe in Hamburg und im Winter zieht es mich in wärmere Gefielde. Nebenbei begann ich als Freelancer im Webbereich und taste mich nun langsam heran an das Leben, das ich führen möchte. Das Leben als Digitaler Nomade. Also unabhängig mein Geld mit Dingen verdienen, die mir Spaß bringen. Und das nahezu von jedem Ort der Welt aus. Meine Erfahrungen möchte ich hier mit dir teilen. Im "Rucksack" wirst du Artikel und Stories rund ums Reisen und alles was dazu gehört finden. "Laptop" versorgt dich mit Wissen und Anregungen über das Arbeiten als Digitaler Nomade und Freelancer. Und "Rekorder" stellt dir interessante Menschen vor, die etwas gemeinsam haben: Sie alle haben ihr Ding durchgezogen. Tust du das auch?

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